Unser Tipp im Herbst 2019: Engelwurz

Engelwurz (Angelica archangelica)

 

In Kurzform

Wichtige Themen: Schutz und Kraft, Aufrichtung und Entfaltung
Verwendete Pflanzenteile: in der Regel die Wurzel
Sammelzeit: Wurzel im Frühjahr oder Herbst
Anwendungen: als Tee und (Ur-)Tinktur
Zu den Heilwirkungen nach TCM: kalten Schleim der Lunge ableitend (Bronchitis, Husten, Sinusitis mit viel Schleim), Lungen-Qi tonisierend (Schwächezustände), Feuchtigkeit, Kälte und Wind ausleitend, Oberfläche befreiend (Sinusitis, Rheuma), Milz-Qi stärkend, Milz-Yang wärmend (Übergewicht, Magersucht, allgemeine Schwäche), Magen-Qi stärkend (Appetitlosigkeit, Gastritis), Qi der Därme regulierend (Darmkoliken, Blähungen), Herz-Qi und –Yang stärkend, wärmend (kalte Extremitäten, Mangel an Vitalität, Palpitationen, Durchblutungsstörungen)
Organbezug: Lunge, Herz, Milz, Magen, Dickdarm, Dünndarm

Etwas ausführlicher:

Standort

Der echte Engelwurz ist eher auf feuchten Wiesen zu finden, an Fluß- oder Wasserläufen. In Hamburg z.B. an Elbe und Alster.

Die Signatur und das Wesen

Aufrichtung, Schutz und Kraft, Öffnung des inneren Raumes

Engelwurz oder auch Angelikawurzel ist eine der stärksten Schutz- und Kraftpflanzen überhaupt. Das können wir gut an ihrer Signatur erkennen. Im ersten Jahr sammelt sie erst einmal einfach nur Energie und zeigt sich mit einer weit ausgebreiteten Blattrosette.

Die gesammelte Energie wird in ihrer mächtigen, rübenartigen Wurzel eingelagert. Im zweiten Jahr dann, im Frühjahr, zeigt der Engelwurz zu Beginn eine wulstige Hülle. Diese markanten, anschwellenden Blattblasen geben immer wieder die nächsten Blätter, die nächste Stängelverzweigung oder eine neue Blütendolde frei. Wer genau hinschaut, kann das imposante Schauspiel der Aufrichtung, der Entfaltung und der unglaublichen Kraft miterleben. Die Angelikawurzel stemmt sich regelrecht in die Höhe, bricht ihre übergroßen Blatthüllen auf, legt die im Halbkreis geöffneten Dolden frei, zeigt sich in ihrer ganzen Pracht. Diese Aufrichtungskraft, das sich Erheben, das sich ganz Hineinstellen in die Verbindung von Himmel und Erde, das alles prägt ganz entscheidend den Wesenszug der Pflanze. Hier können wir ihn deutlich erkennen: den Mut zur eigenen Größe. Ausgewachsen zeigt der Engelwurz, der bis zu 2,50 Meter groß werden kann, das Bild einer aufrecht stehenden Person mit ausgebreiteten Armen. Wie ein Engel in Pflanzengestalt. Ein Engel, der einen umarmen und beschützen möchte. Der Engelwurz zeigt uns, wie wir erst einmal Energie aufbauen, unsere Mitte stärken müssen, bevor wir uns, im richtigen Moment, enthüllen und aufrichten. Wir sind in unserer Mitte und aus ihr heraus können wir unsere wahre Größe entfalten. Dadurch sind wir geschützt vor den äußeren Einflüssen und können das, was in der Welt passiert, gut verarbeiten, ohne unsere Mitte zu verlieren. Aufrecht und stark.

Engelwurz unterstützt die Bildung einer schützenden Hülle zur Wiederherstellung der Ordnung zwischen innen und außen. Er gibt uns den Mut, den wir brauchen, um die anstehenden Aufgaben anzupacken.

Der Blühprozess von Engelwurz zeigt etwas Halbfertiges, die Blüten sind wenig differenziert und zeigen keine ausgestalteten duftenden Blüten. Der Engelwurz bildet keine saftigen Früchte, sondern eingetrocknete Samen, die uns an Gewürzpflanzen wie Kümmel, Anis oder Fenchel erinnern. Der mächtige Stängel, am Ansatz manchmal armdick, ist hohl. Das Luftige der Pflanze dringt damit bis zum Wurzelansatz. Das Obere wird mit dem unteren verbunden. Auf uns übersetzt: Die Energie der Luft wird in den Körper gebracht. Verbindung zwischen Kopf, Herz und Bauch, zwischen Himmel und Erde wird wieder hergestellt. Der Kopf wird frei für Inspiration und innovative Ideen.

Nach TCM wurde diese wunderbare Heilpflanze früher immer dem Metall zugeordnet. Wahrscheinlich wegen seiner warmen, scharf-aromatischen Natur und seiner Eigenschaft, die Oberfläche zu öffnen, zu befreien und zu wärmen. Heute weiß man, dass Engelwurz in alle Wandlungsphasen eingreift. Auf allen Ebenen stärkt sie das Element Erde und ist in der Lage den wichtigen Faktor Urvertrauen bei den Menschen aufzubauen und zu stärken, bei denen es nicht richtig angelegt wurde. Das führt zu deutlich mehr Selbstvertrauen, Kontakt- und Lebensfreude. Auch Menschen, die stark durch Stress, Kummer oder Überforderung belastet sind, erfahren durch die Einnahme von Engelwurz Kräftigung.

In der Schulmedizin wurde der Engelwurz meist nur als Mittel gegen Blähungen geführt. Das wird dieser unglaublichen Pflanze überhaupt nicht gerecht. Früher wusste man sie noch mehr als Schutzpflanze zu schätzen. Zum Beispiel haben sich Pest-Ärzte mit dem Kauen auf Engelwurz vor der Pest geschützt. Oder die Pflanze wurde zum Schutz in Kleider genäht oder als Amulett getragen. Engelwurz war immer Bestandteil von „Lebenselixieren“.

Schauen wir uns ihre Heilwirkung an, dann können wir erkennen, wie breit diese Pflanze aufgestellt ist und dass wir ihr unbedingt wieder mehr Beachtung schenken sollten.

Heilwirkung

  • wir können Engelwurz immer dort anwenden, wo wir Schutz und im selben Moment Kraft benötigen
  • bei allen Schwächezuständen physischer und psychischer Natur
  • „Aufrichtung“ und Rückenstärkung, z.B. in Mobbing-Situationen oder Krisen
  • sehr Abwehrsteigernd
  • Schutz vor Ansteckung, z.B. in Grippezeiten
  • Grippe
  • Infekte jeder Art; antibakterielle und antivirale Wirkung (Mumps)
  • Husten
  • Mandelentzündung
  • anderer Name: Zahnwurz – bei Zahnschmerzen
  • nervenstärkend
  • bei innerlicher Kälte und Kontaktarmut
  • bei wenig „Lebenswärme“
  • anderer Name: Brustwurz – Macht die Brust frei, Gefühl von Kraft im Brustkorb
  • anderer Name: Angstwurz – wird bei Angst eingesetzt
  • Panikattacken
  • wenn z.B. bei älteren Menschen Ängstlichkeit und Unentschlossenheit in Lebensangst und Depression münden
  • wenn z.B. Kinder und Jugendliche noch wenig innere Wärme und Sicherheit besitzen und der Außenwelt ausgeliefert sind, unterstützt Engelwurz sie in ihrem Entwicklungsprozess
  • Verdauungsstörungen, Völlegefühl, Blähungen
  • darmreinigend (auch bei Darmpilz interessant!)
  • bei zu wenig Magensaft, magenstärkend
  • nervöse Magenleiden (hier mit Melisse gemischt); bei starkem Sodbrennen aber lieber nicht
  • krampflösend, antiseptisch
  • Arthritis, Rheuma, Gicht
  • harntreibend, stoffwechselanregend
  • Zyklusstörungen
  • PMS
  • Zysten (wo sich etwas verkapselt)

Anwendung

Wurzel im Frühjahr oder Herbst (der Länge nach spalten und zum Trocknen aufhängen); ganze Pflanze in Blüte, Samen im Spätsommer.

Achtung
Nicht bei Schwangerschaft! Nicht bei lichtempfindlicher Haut. Starke Sonnenbäder unter größerer Einnahme vermeiden.

 


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