Unser Tipp für den Spätsommer: Schafgarbe

Die Schafgarbe (Achillea millefolium)

In Kurzform

Wesen der Pflanze: Unterscheidungsvermögen/Pflanze der Mitte und des Ausgleichs/Polarisation
Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Blüten, Stängel
Sammelzeit: Blätter im Frühling, ganze Kraut im Sommer, wenn die Pflanze blüht
Anwendungen: als Tee, (Ur-)Tinktur, ersten Blätter in Salaten
Zu den Heilwirkungen nach TCM: Milz- und Magen-Qi tonisierend, Qi bewegend und regulierend, Gefäße durchgängig machend und entkrampfend, kühlend, Feuchtigkeit trocknend und Hitze klärend, harntreibend.
Sie stärkt das Erdelement, also Magen, Milz und die Bauchspeicheldrüse, stärkt das Metall über die Lunge und festigt das Nieren Qi.

Etwas ausführlicher:

Die Signatur

Die Schafgarbe hat viel mit Gegensätzen zu tun. Sie hat etwas leicht Schwebendes, wenn man sie auf der Wiese betrachtet und doch etwas sehr Stabiles: ein langer, relativ dünner Stängel wächst aus den feinblättrigen Blättern heraus. Auf diesem harten, zähen, stabilen Stängel erscheinen die verhältnismäßig vollen breite Blüten in der „Dolde“ leicht und schwebend. Dieser zähe Stängel macht es einem übrigens nicht leicht, die Schafgarbe einfach zu pflücken.

Das Leichte, das Schwebende stehen hier dem Zähen, dem Standhaften und dem Festen gegenüber.

Im Frühjahr entdecken wir diese kleinen grünen gefiederten Büschel von fein strukturierten gefiederten Blättern. Ein alter Name „Augenbraue der Venus“ beschreibt die Form und Struktur genau. Diese Blättchen sehen sehr zart und filigran aus. Bei genauerem Hinschauen erkennt man, dass jedes gefiederte Spitzchen wie ein kleiner Dolch ist. Je älter das Blatt wird, je kräftiger, um so mehr gewinnt auch dieser Dolch an Kraft. Hier sind also wieder zwei Gegensätze vereint. Das Milde und das Strenge. So können diese Blätter Nasenbluten stillen und gleichzeitig auch auslösen. Sie symbolisieren eindrucksvoll, wie sehr Teilung, Scheidung und Differenzierung Thema der Pflanze sind.

Betrachten wir die einzelnen kleinen Blütenblätter, können wir auch hier eine Mittelung erkennen. Jedes weist zwei Längsfalten auf, die das Blatt in folgende Einteilung bringt: links-recht-Mitte. Die Extreme sind die Grundlage der Mitte.

Eine blühende Schafgarbe zeigt die Silhouette des Buchstaben T: aufgerichteter Stängel und die Blüte liegt fast waagerecht – so wie auch die Wurzel, die unter der Erde kriechend waagerecht verläuft. Das senkrechte Prinzip (Stängel) steht dem waagerechten Prinzip (Blüten/Wurzeln) gegenüber: waagerecht – senkrecht – waagerecht. Auch hier zeigt sich ihre Heilwirkung. Die Schafgarbe ist die Pflanze des Ausgleichs, die Pflanze der Mitte. Verbunden mit Himmel und Erde und dem Innen und Außen.

Das Wesen

Die Schafgarbe ist eine Ordnungs- und Klärungspflanze. Ihre Kraft liegt darin, uns aus den polaren Eigenschaften des Lebens die richtigen Erkenntnisse ziehen zu lassen. Die Pflanze eignet sich sowohl für Menschen mit einem schwachen Urteilsvermögen als auch für solche, die immer rasch und sehr entschieden zu einer bestimmten Meinung gelangen oder heftige Kritik üben. In beiden Fällen ist das ein Zeichen dafür, dass es dem inneren Erkenntnisprozess am nötigen Licht zur Unterscheidung und des Ausgleichs der Gegensätze fehlt. Die Schafgarbe hilft uns, die beiden Pole zu erkennen. Bei Entscheidungen wegen wir ab: entweder – oder. Hier sind wir dann häufig gefangen und schaffen es nicht in die Mitte zu kommen, um klar zu sehen und zu unterscheiden. Einer guten Entscheidung geht immer eine richtige Unterscheidung voran. Schafgarbe kann uns genau hier helfen.

Wenn wir die Schafgarbe als eine Heilpflanze begreifen, die uns auf unserem Entwicklungsweg begleitet, kann sie helfen, uns zu zentrieren. Sie rät uns, die Extreme kennenzulernen, aber nicht in ihnen zu bleiben, sondern aus der Kenntnis der Extreme die neue Position der Mitte einzunehmen. In der Mitte sind wir im Gleichgewicht. Von hier können wir unsere Entscheidungen treffen.

Auch auf der körperlichen Ebene zeigt sie uns ihre Kraft, Gegensätze zu vereinen. So kann sie Blutungen auslösen, wie auch stille. Wir können sie bei Durchfall einsetzten, genauso, wie bei Verstopfung. Schafgarbe hilft bei Bluthochdruck genauso, wie auch bei zu niedrigem Blutdruck. Eine Pflanze, die Gegensätze vereint und immer wieder den Ausgleich schafft. Zu Hartes wird weich und zu Weiches wird härter.

Heilwirkung

  • spasmolytisch (krampflösend) und entzündungshemmend
  • karminativ (blähungstreibend)
  • magensekretionsfördernd
  • cholagog (galleanregend)
  • blutungsstillend
  • bakterizid
  • adstringierend
  • bei „Frauenkrankheiten“
  • blutreinigend, gefäßtonisierend
  • sie kann ähnlich wie Kamille eingesetzt werden
  • stillt innere und äußere Blutungen
  • hilft bei starken Menstruationsblutungen und -schmerzen
  • wirkt Entzündungen und Schmerzen im Magen- und Darmbereich entgegen
  • bei Durchfall ebenso wie bei Verstopfung; Gallenkoliken
  • Abkochung als Waschung bei Hautleiden und Wunden; Gürtelrose, Geschwüre,
  • Ekzeme
  • Hervorragendes Sitzbad bei sämtlichen vaginalen und analen Beschwerden!(Lindert schnell bei Unterleibs- oder Blasenentzündungen das Brennen, Krampfen und Jucken). Aus starkem Tee oder verdünnter Tinktur.
  • Bei Weißfluss (Leukorrhoe)
  • bei Nieren- und Blasenleiden
  • bei Appetitlosigkeit, dyspeptischen Beschwerden
  • bei venösen Durchblutungsstörungen, Krampfaderleiden, Hämorrhoiden
  • „polares Wesen“: kann starke Regelblutungen lindern, zu schwache anregen.
  • Sie kann sehr entspannend, wie auch sehr kraftgebend wirken.
  • Schafgarbe kann einen schwachen Blutdruck anregen, bei einem zu starken Blutdruck kann sie unterstützen, ihn zu reduzieren.

Anwendung

Geerntet wird das blühende Kraut für Tee, Tinkturen, Sitzbäder; die Blätter im Frühling (oder wenn sie nachwachsen im Sommer) zu Salat, Suppe, etc.

 


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